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Leindotter Anbauinformationen

Der Leindotter (Camelina sativa Crtz.)

Der Leindotter gehört ebenfalls zur Familie der Kruziferen, wie die meisten der schon besprochenen Ölpflanzen. Die Gattung Camelina umfasst fünf Arten, von denen aber nur die Art C. sativa Crtz. sich zu einer Kulturpflanze entwickelt hat. Die Kulturform des Leindotters hat sich zweifellos aus der Wildform entwickelt, die als Unkraut im Lein in ganz Europa und im nördlichen Asien östlich bis zum Baikalsee vorkommt.

Durch Jahrtausende währende Auslese der dem Lein in morphologischen und physiologischen Eigenschaften ähnlichsten Pflanzen ist so der Leindotter selbst zur Kulturpflanze geworden. Der entscheidende Schritt geschah, als der Mensch feststellte, dass dieses Unkraut auch Öl im Samen enthielt, und er es zum ersten Male getrennt vom Lein kultivierte.

Leindotterblüte

Ölpflanzenkunde / Leindotter*

Trotz seines hohen Alters als Kulturpflanze ist der Leindotter, Camelina sativa, heute bei uns sehr wenig bekannt, da er fast nur noch als Unkraut im Lein und im Getreide vorkommt. Durch jahrtausendlang unbeabsichtigte Auslese war das Unkraut selbst zum Kulturgewächs geworden. Die entscheidenden Schritte erfolgten, als der Mensch feststellte, dass der Samen dieses Unkrauts ebenfalls Öl enthielt, und es dann erstmals getrennt vom Lein anbaute.

Aus dem starken Rückgang im Anbau des Leindotters könnte man schlissen, dass er keine anbauwürdige Ölpflanze wäre. Aber dies wäre falsch. Vor allem ist er in Hinsicht auf Klima und Boden besonders anspruchslos; so gedeiht er noch auf trockenen, sandigen Böden und auf Moorböden, die für kaum eine andere Ölfrucht in Betracht kommen. Am Besten sät man ihn nach Hackfrucht, gewöhnlich im April/Mai, seltener im Herbst, auch als Nachsaat auf ausgewinterten Getreide- oder Ölfruchtflächen, sowie nach Hagelschlag.

Schon nach 12-14 Wochen, wenn die Mehrzahl der Schoten gelb wird, kann geerntet werden. Als Ertrag rechnet man je ha 7-15 dz Körner, 3-3,5 dz Kapselstreu (Beifutter für Schafe) und 13-25 dz Stroh, das sich gut für Besen eignet.

Das Leindotteröl ist bei kalter Pressung hell- bis goldgelb, bei warmer bräunlichgrün. Sein etwas scharfer Geschmack verliert sich bei längerem Stehen. Vor allem in Osteuropa wird es als Speiseöl verwendet, ferner dient es als Leuchtöl, zur Herstellung von Schmierseife und, mit Leinöl vermischt, zu Anstrichen. Früher wurde es als "Deutsches Sesamöl" in der Heilkunde verwendet. Der Presskuchen kann in kleineren Mengen als Viehkraftfutter verwendet werden.
*Wilhelm J. Fischer in "Ölpflanzenkunde", Stuttgart 1948

Leindotter im Bliesgau

Botanik

Der Leindotter hat eine dünne spindelförmige Wurzel von hellgelber Färbung. Der Stängel wird 30-100 cm hoch. Er wächst zunächst eintriebig, verzweigt sich aber später im oberen Drittel sehr stark. Die Seitentriebe stehen in spitzen winkeln aufrecht. Die Laubblätter sind von lanzettlicher Form. Meistens ungeteilt, manchmal leicht fiederspaltig, ganzrandig oder geschweift gezähnt. Die oberen Blätter sind schmaler als die unteren und umfassen den Stängel zur Hälfte. Behaarung fehlt meistens, manchmal kommen Typen mit kurzen Haaren vor.

Die einzelnen Triebe endigen in den traubigen, trugdoldigen Blütenständen. Die Blüte beginnt am Haupttrieb und dauert einschließlich der Nebentriebe etwa 27 Tage. Das Aufblühen der einzelnen Blütenstände erfolgt von unten nach oben, der ganzen Pflanze von oben nach unten. Die Blüten stehen auf 4-8mm langen Stielen. Die vier 4-5 mm langen Kronblätter sind hellgelb oder dunkel gelb mit dunkleren Nerven. Vier Staubgefäße haben lange Filamente und stehen mit der Narbe auf gleicher Höhe, während zwei weitere unterhalb der Narbe stehen bleiben. Der Pollen der vier längeren Staubbeutel wird meist schon am ersten Tage des Aufblühens entleert und gelangt, da die aufplatzende Seite der Narbe zugekehrt ist, zum großen Teil auf die letztere. Dadurch wird Selbstbefruchtung gewährleistet. Insekten werden auf Leindotter wenig beobachtet, obwohl die Blüte am Grund zwei Nektarien enthält. Infolgedessen erhält man auch bei erzwungener Selbstbestäubung durch Einschluss der Blütenstände stets guten Ansatz. Das sich aus der Befruchtung entwickelnde Schötchen hat eine birnenförmige Gestalt und verholzt ziemlich stark.

Bei der Reife platzt es jedoch nicht auf. Charakteristisch ist die sich aus dem Griffel entwickelnde Spitze. Die Gesamtlänge des Schötchens beträgt 7 bis 9 mm, die des Stielchens 10-15 mm. Die beiden Schotenklappen sind gewölbt, der Mittelnerv tritt deutlich hervor. Jedes Schötchen enthält meist 8-10 gelb oder rötlich gefärbte Samen von länglich-walziger Form mit deutlich abgesetztem Würzelchen, das sich über die ganze Länge des Samens erstreckt. Die Samen sind im Durchschnitt 2,3 mm lang, 1,2 mm breit und 1,0 mm dick. Das 1000-Korngewicht beträgt 0,73-1,0 gr. Die Samenschale enthält Schleimstoffe, die beim Anfeuchten aufquellen.

Leindotter im Bliesgau

Der Anbau des Leindotters

Der Leindotter ist eine uralte Kulturpflanze, der Nachweis seiner Kultur reicht bis in die Hallstattzeit (etwa 500 v. Chr.) zurück. Er war in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland eine weit verbreitete Ölfrucht. Dafür sprechen unter anderem die mannigfachen mundartlichen Bezeichnungen wie Flachsdotter, Buttersamen, Butterraps, Schmalzsaat, deutscher Sesam, Dotterkraut, Rillsaat, Finkensamen, gemeine Cameline usw.

In neuer Zeit ist der Anbau des Leindotters in ganz Mitteleuropa stark zurückgegangen, in Deutschland wird er nur noch ganz vereinzelt durchgeführt. Häufiger findet man ihn in Nordfrankreich, Belgien und Holland in Kultur, auf dem Balkan und in Russland zählt er noch zu den gebräuchlichen Ölfrüchten. Auch in Nordamerika wird er kultiviert.

Die starke Einschränkung des Anbaues in Deutschland verleitet zu der Annahme, dass der Leindotter unter den heutigen Verhältnissen kein anbauwürdige Ölpflanze mehr sei. Dass dem nicht so ist, zeigt schon die Tatsache, dass dem Leindotter eine große Anspruchslosigkeit in Bezug auf Boden und Klima eigen ist. Er gedeiht auch auf trockenen, sandigen Böden, auf denen kaum eine andere Ölfrucht mehr angebaut werden kann. Jedoch gibt er bessere und sichere Erträge auf besseren Böden, am besten sind kalkhaltige lehmige Sandböden. Auch auf nicht zu nassen Moorböden ist seine Kultur möglich. Hinsichtlich des Klimas stellt der Leindotter ebenfalls keine besonderen Ansprüche. Gegen Spätfröste ist er nicht empfindlich.

Mischfruchtanbau mit Leindotter

Züchtung und Sorten

Die Züchtung hat sich des Leindotters bisher noch fast gar nicht angenommen. Es müsste aber durch einfache Auslese aus Landsorten leicht gelingen, ertragreichere Sorten zu erhalten. Als besonders günstiges Ausgangsmaterial kommt vor allem die großsamige Sorte Camelina sativa dentata in Frage, die auch im Ganzen ein kräftigeres Wachstum aufzuweisen hat. Die Erzielung von Sorten mit schneller Jugendentwicklung wäre ebenfalls ein lohnendes Zuchtziel.

Infolge der mangelnden züchterischen Bearbeitung existieren auch noch keine besonderen Zuchtsorgen, sondern es wird allgemein unausgelesenes Material von Landsorten verschiedener Herkunft verwendet.

Zitiert aus Hackbarth, "Die Ölpflanzen Mitteleuropas 1944", Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart

Leindotter im Bliesgau

Leindotter und seine Anpassungsfähigkeit*

"Der Leindotter stammt wahrscheinlich aus Kleinasien, Transkaukasien, Iran und Turkmenistan. Gemäß der Ansicht traditioneller Botaniker existieren weniger als zehn Arten und Unterarten, die in Asien, Europa und Nordafrika beheimatet sind.
Jüngste Arbeiten unter Verwendung von markierten Molekülen des AFLP zeigen, dass diese Art eher eine geringe molekulare Polymorphie zeigt, entgegen der Polymorphie anderer Arten der Kreuzblütler, wie z. B. Brassicaceen. Alles deutet darauf hin, dass Camelina Sativa und andere Camelina spp. eine Sorte unter verschiedenen Bezeichnungen ist, welche verschiedene ökologische Nischen besetzt, wie es für den Kohl (Brassica oleracia L.) der Fall ist, welcher viele Originalbezeichnungen der Atlantikküste und des Mittelmeerraumes um sich gruppiert, die früher als eigene Art betrachtet wurde. Es ist wahrscheinlich, dass der kultivierte Leindotter, Camelina Sativa (L.) Crantz, aus dem Bereich der wilden Art Camelina Microcarpa Arndz., stammend, häufig in Eurasien anzutreffen, durch eine weit zurückliegende äußerliche Anpassung vermischt dem Getreide und Leinanbau hervorgegangen ist.

Verschiedene archäologische Entdeckungen haben gezeigt, dass in der Bronzezeit (1500 - 400 v. Chr.) zwei Sorten in Zentraleuropa und an der Baltenküste und der Nordsee existiert haben. Die Sprachwissenschaft bestätigt auch eine sehr weit zurückliegende Bekanntheit des Leindotters innerhalb der europäischen Landwirtschaft. Die Art wurde in der griechisch-römischen Epoche weit verbreitet angebaut, danach reduzierte sich dessen Nutzung während des Mittelalters nur als Rohstoff für Öllampen.

Mitte des letzten Jahrhunderts brachte der Botaniker H. Lecoq aus Clermont auf den Punkt, dass die Leindotterpflanzen in einer großen geographischen Breite, von Sibirien bis nach Spanien anbauen und ernten kann, deren Samen werden sehr oft mit normalem Getreide transportiert.

Verbreitung des Leindotters:

  • Südliche Grenze: Gegend von Granada bis Gibraltar, 36 Grad nördliche Breite
  • Nördliche Grenze: Norwegen, 70 Grad nördliche Breite
  • Insgesamt 34 Grad Breitenunterschied
  • Westliche Grenze: Portugal, 10 Grad westliche Länge
  • Östliche Grenze: Sibirien am Baikalsee, Russland, 110 Grad östliche Länge
  • Insgesamt 120 Grad Längenunterschied.

Es scheint auch, nachdem wir uns mit chinesischen Botanikern unterhalten hatten, so, als ob zur Zeit der Seidenstraße diese Art unter dem Namen ya-ma-ji bekannt war und noch weiter östlich - bis hin nach Peking.

Indessen, am Ende des 19. Jahrhunderts - ohne großen Erfolg wurde von den Europäern der Leindotter in Nordamerika eingeführt - blieb der Anbau auf dem alten Kontinent auf ein paar 1.000 Hektar begrenzt und diente zum Schluss nur noch der Vogelzucht. Am Anfang des 20. Jahrhunderts blieben noch ungefähr 5.000 Hektar Anbaufläche in der Gegend nördlich von Paris. Seit dem letzten Weltkrieg bis in unsere Zeit gilt die Art als aussterbend in Frankreich.

Da während und nach dem zweiten Weltkrieg in Europa ein Mangel an Fettstoffen auftrat, wurde ein bemerkenswerter Versuch in Russland, Skandinavien und in Zentraleuropa unternommen, das genetische Material zu sammeln. Dies führte erstens dazu, dass das genetische Material nicht verloren ging und zweitens den Wert dieser Pflanze ermittelt werden konnte, sowie in einigen Fällen mit Züchtungsarbeiten zu beginnen.

Diese Initiative wurde im Westen vollständig durch den Marschall-Plan unterdrückt, im Osten wurden diese Arbeiten durch den kalten Krieg extrem behindert. Sicher ist, dass der Leindotter eine Art darstellt, welche sich an die Bedingungen des europäischen Anbauweise anpasst und sogar auch an alle Regionen des gemäßigten Klimas, des ozeanischen und des kontinentalen Klimas. Nachdem mit mangelhaftem Erfolg versucht wurde, den Rizinus, welcher eine subtropische Art darstellt, so zu verändern, dass er in einem gemäßigten Klima angebaut werden kann, konnten uns die Vorteile des Leindotters nicht gleichgültig bleiben.

* Zitiert aus der Übersetzung des französischen Originals: "La camelline – Camelina sativa (L.) Crantz: une opportunité pour l’agriculture et l’industrie euroopénnes" erschienen in der Zeitschrift OCL Nr.6 Januar/Februar 1999.

Leindotter mit Getreide als Untersaat

Ernte von Leindotter

Zur Ernte sind nach den durchgeführten Untersuchungen keine speziellen Erntemaschinen erforderlich. Im Interesse der Qualität darf der Drusch erst bei der Vollreife erfolgen. Auch bei Überständigkeit treten kaum Vorernteverluste auf, da die Schötchen platzfest sind.

Bei zügiger Fahrt des Mähdreschers werden die Spritzverluste mit dem Schneidwerkstisch wieder eingefangen. Die Verwendung eines Rapsvorsatzes und eines Seitenschneidwerkes ist empfehlenswert. Die Schnitthöhe sollte so hoch wie möglich gewählt werden, aber stets unterhalb der schötenchentragenden Verzweigung. Obgleich das Samengewicht gering ist, können durch eine korrekte Einstellung des Windes der Besatzanteil und die Reinigungsverluste auf jeweils 2 % gesenkt werden.

* Zitiert aus "Anbau von Leindotter – Alternativen im ökologischen und konventionellen Landbau?" von Prof. Dr. Norbert Makowski, Institut für Energie und Umwelttechnik, München und Markus Pscheidl, Kramerbräu Naturlandhof, Pfaffenhofen

Leindotterfeld im Bliesgau

Bliesgau Ölmühle • Gut Hartungshof • Bliesransbach


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